Das HI-Virus (Human immunodeficiency Virus)

Viren sind die Auslöser vieler ernster Erkrankungen. Beispiele hierfür sind Tollwut, Kinderlähmung, Hepatitis, Grippe, Masern, Windpocken und Herpes. Die Übertragung, also Ansteckung durch Viren kann auf ganz unterschiedliche Weise erfolgen. Windpocken- und Grippeviren werden z.B. durch Tröpfcheninfektion beim Husten übertragen, während für Herpes Hautkontakt erforderlich ist.

Das erst 1983 entdeckte HI-Virus wird dagegen durch Blut- oder Schleimhautkontakt mit infiziertem Blut, Sperma und Vaginalflüssigkeit übertragen. Es gehört zur Familie der Retroviren und zur Gattung der Lentiviren.

Trotz dieser Verschiedenheit im Übertragungsweg haben Viren eines gemeinsam: Sie benötigen eine Zelle als Wirt, um sich zu vermehren. Ähnlich wie ein Parasit nutzt ein Virus den Stoffwechsel der von ihm infizierten Wirtszelle für seine Vermehrung.

Aufbau
Das HI-Virus besteht aus einer

  • äußeren Hülle, die die Andockstellen für die Verbindung mit der Wirtszelle enthält.
  • einer inneren Kapsel, auch Kapsid genannt, die den Bauplan des Virus, die RNA, enthält.
  • und bestimmten Werkzeugen, den Enzymen, die die Virus-vermehrung in der Wirtszelle organisieren.
    Zu diesen Enzymen gehören die Reverse Transkriptase, die Protease und die Integrase.

Vermehrung

Das HI-Virus kann nur an Zellen „andocken“ die auf ihrer Zelloberfläche bestimmte Erkennungs-merkmale bzw. Bindungsstellen aufweisen.
Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist ein Protein, das CD4 genannt wird und die auf der Zelloberfläche sitzenden Bindungsstellen beschreibt.

HIV besitzt auf seiner eigenen Hülle Andockstellen mit dem Namen gp120 (gp steht für Glycoprotein - eine spezielle Form eines Proteins). Da CD4 genau zu diesem gp120 passt, kann HIV an alle Zellen mit diesem CD4-Erkennungsmerkmal (die sogenannten CD4-Zellen) andocken, dort eindringen und diese dadurch infizieren.
Davon betroffen sind hauptsächlich die für das menschliche Immunsystem wichtigen Abwehrzellen
(T-Helferzellen u.a.) sowie einige Gehirn-, Darm- und Hautzellen. All diese Zellen besitzen die CD4-Proteine an ihrer Oberfläche. Die Immunzellen aber sind unsere Schutztruppen gegen krankmachende Organismen wie z. B. Viren, auch gegen das HI-Virus. Somit zerstört HIV - durch die Infektion dieser T-Helferzellen - die Verteidigung des menschlichen Körpers gegen HIV.
Ohne medikamentöse Unterstützung ist unser Immunsystem deshalb langfristig hilflos gegen dieses Virus.

Nachdem HIV mit seinem Hüllprotein gp120 an das CD4-Protein der Wirtszelle angedockt hat, wird es in die Zelle aufgenommen, und die Virushülle wird aufgelöst. Somit befindet sich die Erbinformation des Virus nun innerhalb der Wirtszelle.
HIV benutzt die infizierte Zelle um, seine Erbinformation immer wieder zu kopieren und Proteine für neue Viren zu produzieren. Dazu muss zunächst die Erbinformation von HIV (RNA) der Erbinformation der Wirtszelle (DNA) angepasst werden. Das geschieht schrittweise durch das Enzym Reverse Transkriptase in einem Vorgang der Reverse Transkription genannt wird. Die umgeschriebene virale Erbinformation wird dann in die Wirtszelle mit Hilfe eines weiteren Enzyms, der Integrase, eingebaut. Jetzt kann die Zellmaschinerie zur Produktion von Virusproteinen missbraucht werden. Bevor neue infektiöse Viren korrekt zusammengebaut werden können, müssen die Proteine zurechtgeschnitten werden.
Das geschieht mit einem Enzym, das sich Protease nennt. Die neu entstandenen Viren schnüren sich von der Wirtszelle ab und können jetzt neue Zellen infizieren.

Infektion mit dem HI-Virus

Im Rahmen einer Infektion muss eine infektiöse Körperflüssigkeit in den Körper eines anderen Menschen gelangen. Dies kann entweder durch frische, offene Wunden bzw. Injektionen oder auch über Schleimhäute - auch wenn diese intakt sind – (Mund-, Nasen-, Anal- & Vaginalschleimhaut), Eichel und Innenseite der Vorhaut sowie die Bindehaut der Augen erfolgen. Zu einer HIV-Übertragung kann es im Zuge eines Sexualkontakts (Vaginal-, Anal- und Oralverkehr) oder über Verabreichung von Blut oder Blutprodukten  sowie den Gebrauch verunreinigter Spritzen (DrogengebraucherInnen) kommen.

Infektiöse Körperflüssigkeiten sind:

  • Blut (hoch)
  • Sperma (hoch)
  • Vaginalflüssigkeit (= Scheidenflüssigkeit) (niedrig)
  • Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (= Liquor cerebrospinalis) (hoch)
  • Muttermilch (niedrig)
  • Lusttropfen (= Präejakulat) (niedrig)

Übertragungswege

Ungeschützter Sexualverkehr - sowohl vaginal als auch anal - sind wie der ungeschützte Oralverkehr (hier allerdings nur für den/die aktive/n Partner/in, wenn Sperma oder Menstruationsblut in den Mund gelangt) ein Risiko.

  • Ein weiteres Risiko ist das sogenannte "needle-sharing" bei intravenösen Drogen-gebraucherInnen, also das gemeinsame Benutzen von Injektionsnadeln und Spritzen.
  • Das Risko als HIV-positive Mutter ein HIV-infiziertes Kind zur Welt zu bringen oder diese über die Muttermilch beim Stillen zu infizieren, liegt ohne den Einsatz entsprechender Maßnahmen bei ca. 25%. Durch die entsprechenden Maßnahmen kann das Risiko auf 0,1% gesent werden.
  • Nadelstichverletzungen bei medizinischem Personal stellen nur ein sehr geringes Risiko dar  (0,2% - 0,4%9.
  • Eine Infektion kann über das Blut oder Blutprodukte erfolgen. In Österreich sind zwar alle Blutkonserven getestet, aufgraund des diagnostischen Fensters liegt die Wahrscheinlichkeit, eine HIV-positive Blutkonserve zu erhalten allerdings bei ungefähr 1:1.500.000-1:1.300.000.
Quelle: www.hiv-info.de, Aids-Hilfe Wien www.aids.at,

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