Die antiretrovirale Therapie


Seitdem bekannt ist, dass HIV für die Entstehung von AIDS verantwortlich ist, sucht die Forschung nach spezifischen Anti-HIV-Wirkstoffen. Ziel dieser Forschung ist es, Substanzen zu finden, die die Vermehrung des HI-Virus im Körper hemmen, ohne dabei körpereigene Prozesse zu stören.
Die Behandlung der HIV-Infektion wurde in den letzten Jahren stetig verbessert. Noch vor einigen Jahren war die erste Therapie in der Regel die Einnahme von AZT alleine, worauf ein Wechsel auf ddI oder ddC folgte.

Ab September 1995, nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse großer internationaler Studien, galt die Kombination von AZT und ddI oder AZT und ddC und bald darauf AZT und 3TC als Standard. Neue Erkenntnisse über die Geschwindigkeit der Virusvermehrung und die Wandelbarkeit des Viruserbgutes erklären, im Nachhinein, warum es auch mit Zweierkombinationen praktisch nie gelungen war, die Virusvermehrung über längere Zeit stark zu hemmen.


Die Einführung der Hemmer der Protease (PI) und der nichtnukleosidanalogen (NNRTI) Hemmer der Reversen Transkriptase brachte 1996 beziehungsweis 1998 eine entscheidende Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten.


Studien belegen, dass die beste Wirkung erzielt wird, wenn mindesten drei Medikamente mit zwei verschiedenen Wirkungsmechanismen eingenommen werden. Welche Kombination unter welchen Bedingungen die beste Wirkung zeigt, ist noch nicht restlos geklärt und Gegenstand von

klinischen Studien. Grundsätzlich kann aber von einer medikamentösen Therapie gegen HIV Folgendes erwartet werden:

 

  • Abnahme der Virusmenge im Blut (Abnahme des Viral Load) bis unter die Nachweisgrenze der empfindlichsten Tests
  • Verbesserung der Immunitätslage (Zunahme des CD4-Wertes)
  • ein Leben ohne AIDS definierende Erkrankungen
  • Vermindertes Risiko, an einer HIV-Demenz zu erkranken
  • Höhere Lebenserwartung

Seit dem Jahr 2000 werden Menschen häufig mit zwei nukleosidanalogen Hemmern der Reversen Transkriptase und zwei Hemmern der Protease – meistens einer kleinen Dosis Ritonavir und einem anderen Hemmer der Protease – behandelt. Dabei werden die Wechselwirkungen zwischen den beiden  Hemmern der Protease gezielt ausgenutzt, um die Wirkstoffspiegel der einen Substanz anzuheben.


Dadurch werden bei reduzierter
Dosis und verlängertem Dosierungsintervall wirksamere Serumspiegel erreicht.

Dieses Vorgehen wird auch als Ritonavir-Boosting bezeichnet. Wenn die Standardtherapien bei einem Patienten oder einer Patientin ungenügend wirken, werden einzelne oder mehrere Wirkstoffe aus allen drei

Substanzklassen und – nach Möglichkeit – auch Entry-Inhibitoren eingesetzt. Man spricht dann von einer Salvage-Therapie (Rettungstherapie). ART heißt, dass eine Anti-Retroviral Therapy, also eine Behandlung gegen das zu den Retroviren gehörende HIV, durchgeführt wird.


Unter HAART (= «Highly Active Anti-Retroviral Therapy») verstehen die einen jede mögliche Dreierkombination, die anderen Dreierkombinationen von Substanzen mit zwei verschiedenen Wirkungsmechanismen (einschliesslich eines Hemmers der Protease, eines nichtnukleosidanalogen Hemmers der Reversen Transkriptase oder eines Entry-Inhibitors). Wenn – wie das im Rahmen der Salvage-Therapie etwa geschieht – mehr als fünf Substanzen gebraucht werden, nennen dies Einzelne Mega-HAART.

 

Das Ziel einer Kombinationsbehandlung gegen HIV ist die anhaltende und vollständige Unterdrückung der HIV-Vermehrung in allen Flüssigkeiten und Geweben des Körpers. Ein Maß dafür, wie nahe das Ziel liegt, stellt der Viral Load Viruslast) dar.

 

Eine Kombinationsbehandlung gegen HIV basiert auf folgenden Überlegungen:

 

  • Die andauernde HIV-Vermehrung führt zu einer zunehmenden Abwehrschwäche und schließlich zu AIDS. Die HIV-Infektion ist grundsätzlich immer bedrohlich.
  • Der Viral Load (Viruslast) sagt etwas aus über das Ausmaß der HIV-Vermehrung und damit etwas über die Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs.
  • Der CD4-Wert reflektiert das Ausmass der bereits eingetretenen Abwehrschwäche.
  • Eine wirksame Kombinationsbehandlung gegen HIV führt zu einer Hemmung der HIV-Vermehrung. Dadurch wird die Zerstörung des Immunsystems gebremst. Das Immunsystem kann sich weitgehend erholen, und eine Erkrankung an AIDS wird verhindert.
  • Eine optimal wirksame Kombinationsbehandlung gegen HIV verhindert das Auftreten von resistenten HIV-Varianten.
  • Auch eine optimal wirksame Therapie vermag das Virus nicht aus dem Körper zu eliminieren sondern lediglich in Schach zu halten.

 

Folgerungen

 

  • Die regelmäßige Bestimmung von Viral Load (Viruslast) und CD4-Wert ist wichtig, um die Wirksamkeit einer Kombination gegen HIV abzuschätzen.
  • Ein gleichzeitiger Beginn mit allen in einer vorbestimmten Kombinationsbehandlung gegen HIV eingesetzten Medikamenten gewährleistet am ehesten die angestrebte anhaltende und vollständige Unterdrückung der HIV-Vermehrung.
  • Alle Medikamente müssen in den vorgeschriebenen Intervallen und Dosierungen eingenommen werden.

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