Dauer der Behandlung

 

Die Frage, ob eine über lange Zeit wirksame Kombinationsbehandlung gegen HIV einmal abgesetzt werden kann, muss zum jetzigen Zeitpunkt verneint werden.


Wer eine Behandlung beginnt, muss davon ausgehen,
dass er diese mit den heute verfügbaren Mitteln über Jahrzehnte durchführen wird.


Bei einigen Menschen, deren Viral Load unter einer Kombinationsbehandlung gegen HIV seit mehr als zwei Jahren unter der Nachweisgrenze von 40 HIV-Erbgutkopien pro Milliliter Blutplasma gelegen hatte, wurde
eine HIV-Vermehrung von sehr geringem Ausmaß nachgewiesen.

 

Man fand auch ruhende e CD4-Zellen, in deren Erbgut jenes des HIV integriert ist. Es handelt sich dabei um sehr langlebige Zellen mit einer Halbwertszeit von mehreren Jahren. Das ins Erbgut dieser CD4-Zellen eingefügte HIV-Erbgut war vermehrungsfähig und wies gegenüber dem Erbgut des Virus, welches vor der Behandlung im Blut vorlag, keine Veränderungen auf. Die lange Lebenszeit der ruhenden CD4-Zellen bedeutet, dass sich die HI-Viren auch durch eine anhaltend wirksame Kombinationsbehandlung während

einiger Jahrzehnte nicht vollständig eliminieren lassen.

Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass das Immunsystem in Zukunft z. B. durch Impfungen befähigt werden kann, eine kleine Zahl dieser Zellen bzw. die daraus freigesetzten Viren zu beherrschen, wenn die Behandlung nach Jahren abgesetzt

wird. Es ist auch denkbar, die CD4-Zellen durch so genannte Zytokine zu aktivieren, in der Hoffnung, deren Halbwertszeit auf diese Weise deutlich zu verkürzen. Aber auch hier bleiben noch viele Fragen offen.

 

Die Behandlung ist für viele Patienten und Patientinnen in den letzten Jahren einfacher geworden.


Aufgrund von Neuentwicklungen (z. B. Emtricitabin, Tenofovir, Atazanavir, Tipranavir, Darunavir), neuen Formulierungen (z. B. Fosamprenavir, Videx EC®, Kivexa®, Truvada®, Atripla®) und durch die Ausnutzung von Wechselwirkungen zwischen den eingesetzten Substanzen (Kaletra® und andere Ritonavir-geboostete Hemmer der Protease) müssen eine geringere Anzahl von Tabletten weniger häufig eingenommen werden.

Man darf hoffen, dass diese Entwicklung anhält. Zurzeit scheint es aber nicht möglich, die Behandlung dadurch zu vereinfachen, dass statt drei nur zwei Wirkstoffe eingenommen werden.

 

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