Therapiepausen

 

Wer eine Kombinationsbehandlung gegen HIV durchführt, muss sich unbedingt an die Einnahmevorschriften halten, weil sonst der Anstieg des Viral Load, der Abfall des CD4-Wertes und die Entstehung und die Ausbreitung von resistenten HIV-Varianten drohen.


In Studien ging man der Frage nach, wie es sich verhält, wenn eine über lange Zeit konsequent eingesetzte und wirksame Kombinationsbehandlung gegen HIV vorübergehend vollständig unterbrochen wird. So fragte man sich, ob es unter bestimmten Bedingungen möglich wäre, Therapiepausen (Drug Holidays) einzuschalten, ohne dass das Immunsystem weiter geschädigt würde, ob Therapiepausen unter bestimmten Bedingungen sogar die Immunantwort gegen HIV verbessern würden, sodass die Medikamente dauerhaft abgesetzt werden können.


Oben erwähnte Hoffnungen haben sich leider nicht erfüllt.
Sogenannte strukturierte Therapiepausen, also gut kontrollierte und genau festgelegten Therapieunterbrüche (Structured Therapy Interruptions = STI) haben sich weder in der Situation einer optimal wirksamen Therapie noch in der Situation nach mehrmaligem Therapieversagen vor einer Salvage-Therapie bewährt.

Eine von vielen Schwierigkeiten stellt der Umstand dar, dass die gegen HIV eingesetzten Wirkstoffe unterschiedliche Halbwertszeiten aufweisen,
also verschieden schnell abgebaut werden. Das bewirkt, dass einzelne Substanzen im Körper noch Konzentrationen aufweisen, welche die Vermehrung von HIV hemmen, während andere in unwirksamen Konzentrationen vorliegen. Die Behandlung mit nur einem oder zwei – in genügenden Konzentrationen vorhandenen – Wirkstoffen begünstigt jedoch die Entstehung und die Ausbreitung von resistenten HIV-Varianten.


Bei Patienten mit optimal wirksamer Therapie kam es bei jeder Pause, meistens 1–2 Wochen nach dem Absetzen, zum Wiederanstieg der Viruskonzentration im Blut – das Immunsystem konnte so nicht gestärkt werden. Studien, bei denen anstelle wiederholter Therapiepausen zusätzlich zur einer optimal wirksamen Therapie ein Impfstoff wiederholt verabreicht werden soll, sind geplant.

 

Eine andere Situation liegt bei jenen Menschen vor, die zur zweiten Gruppe gehören, bei denen HIV-Varianten vorliegen, die gegenüber deneingesetzten Wirkstoffen resistent sind. Hier schwang bei Therapieunterbrüchen die Hoffnung mit, dass sich das empfindliche – aber offenbar auch vermehrungsfähigere – Wildtyp-HIV gegenüber den resistent gewordenen Varianten wieder durchsetzt. Diese Hoffnung erfüllte sich leider häufig nicht oder aber der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Zudem kam es bei einem Therapieunterbruch in dieser Situation nicht selten zu einem deutlicher Abfall des CD4-Wertes.


Eine grosse internationale Studie (SMART-Studie) untersucht jedoch die Frage, ob durch den «CD4-Wert gesteuerte» Therapieunterbrüche derselbe Therapieerfolg wie bei einer fortgesetzten Behandlung erzielt und dabei Kosten gespart und Nebenwirkungen vermieden werden können.

Von Therapiepausen außerhalb von Studien wird abgeraten.

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