Therapiewechsel

 

Meist wird die Therapie gewechselt, um ein Therapieschema zu vereinfachen (z. B. von einer zweimal täglichen auf eine einmal tägliche Medikamenteneinnahme), weil eines der Medikamente nicht gut vertragen wird oder weil eine Behandlung ungenügend wirkt (Therapieversagen).

 

Von einem Therapieversagen ist bei der erstmaligen Behandlung dann die Rede, wenn es mit einer Therapie nicht gelingt, die Virusvermehrung so weit zu stoppen, dass der Viral Load innerhalb von sechs Monaten unter die Nachweisgrenze absinkt, oder wenn er wieder aus dem nicht nachweisbaren Bereich ansteigt.


Therapieversagen ist oft die Folge mangelhafter Adherence. Weitere Gründe für Therapieversagen und damit für einen Therapiewechsel sind alle anderen möglichen Ursachen, die zu ungenügend hohen Wirkstoffkonzentrationen führen (z. B. mangelhafte Medikamentenaufnahme aus dem Magen-Darm-Kanal oder Wechselwirkungen zwischen Medikamenten), oder bereits bestehende resistente Virus-Varianten.

 

Unter der Voraussetzung, dass die Kombination wirkt, kann eine einzelne Substanz, die sich als unverträglich erweist, durch eine andere, gleichwertige, ersetzt werden. Muss die Therapie hingegen wegen einer ungenügenden Wirkung geändert werden, muss nach Möglichkeit die ganze Kombination durch neue Substanzen ohne Kreuzresistenzen ersetzt werden, um einen anhaltenden Therapieerfolg zu ermöglichen. Es ist falsch, zu einer unwirksamen Therapie lediglich einen neuen Wirkstoff hinzuzufügen.


Bei Menschen mit Therapieversagen unter mehreren Kombinationsbehandlungen gegen HIV scheint die Fortsetzung einer antiretroviralen Therapie sowohl immunologisch (in Bezug auf den CD4-Wert) als auch virologisch (im Hinblick auf den Viral Load) Nutzen zu bringen. Anscheinend sind die gegenüber den eingesetzten Wirkstoffen resistent gewordenen HIV weniger fit (und somit weniger vermehrungsfähig) als der HIV-Wildtyp, der sich nach einem Behandlungsabbruch wieder auszubreiten scheint.


Es bleibt jedoch zu untersuchen, welche Bedeutung diese Beobachtung im langfristigen Verlauf hat.

Es ist zu erwarten, dass neue Erkenntnisse die Behandlungsformen weiterhin laufend verändern.

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