HIV und Ihre Körperform

Aus welchen Gründen kann sich meine Körperform ändern?

Die genauen Ursachen von Veränderungen der Körperform sind unklar. Zu den möglichen Faktoren gehören Geschlecht, Alterund Vererbung, aber auch Ernährung und Rauchen gehören dazu. Die Anzahl der CD4-Zellen vor Beginn einer HIV-Therapie hat ebenso Einfluss, wie die HIV-Therapie. Einige HIV-Medikamente führen eher zu einer Umverteilung von Fett im Körper als andere Präparate.

Muss ich mir Sorgen machen, sollte sich meine Körperform verändert?

Viele Menschen übersehen die frühen Anzeichen für körperliche Veränderungen.Wenn sich die Form Ihres Körpers verändert(Lipodystrophie), muss dies keine Folgen für Ihre Gesundheit haben. Es ist jedoch wichtig zu wissen, wodurch dieVeränderungen an Ihrem Körper verursacht werden. Denn eine Veränderung könnte durch ein ernsthaftes medizinischesProblem verursacht werden.
Wenn Sie bereits Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen (z. B. Herzerkrankungen in Ihrer Familiengeschichte oder wenn Sie rauchen), kann sich der Fett- und Zuckerstoffwechsel verändern. Dadurch kann sich verstärkt Fett im Bauchbereich und um Ihre Organe herum anlagern. Oder erhöhte Blutzuckerwerte können zu einer Diabetes führen. Zusätzlich können Veränderungen der Figur zu psychischen Problemen führen. Manche PatientInnen empfinden die Veränderung als unangenehm oder fühlen sich stigmatisiert. Andere haben das Gefühl, dass die Veränderungen ihrer Körpers es offensichtlich machen, dass sie an HIV leiden.

Was ist Lipodystrophie?

Lipodystrophie ist eine allgemeine Bezeichnung für Körperfettveränderungen bei HIV-positiven Menschen. Der Begriff stehtdabei entweder für Fettumverteilung oder für Fettverlust. Das Lipodystrophie-Syndrom bezieht sich aber nicht nur auf die Fettumverteilung. Damit werden auch Stoffwechselveränderungen bezeichnet, die zur Erhöhungen der Blutfett- und Blutzuckerwerte führen.

Welche Symptome hat die Lipodystrophie?

Es gibt zwei Hauptformen der Lipodystrophie, die als Lipoatrophie (Fettverlust) und Lipohypertrophie (Fettzunahme) bezeichnet werden.
Zu den Symptomen der Lipoatrophie (Fettverlust) gehören:

Dünne Arme: Fettverlust am Bizeps und an den Unterarmen. Die Venen treten manchmal stärker hervor

Dünne Beine mit sichtbaren Venen

Flaches Gesäß: Es verliert seine Form, manchmal sieht es eingesunken oder leicht schlaff aus

Gesicht: eingefalleneWangen und unter Umständen stärker hervortretende Stirn

Lidohypertrophie (Fettzunahme) kann folgende Körperteile betreffen:

Bauch: Der Bauch kann aufgebläht wirken, Zunahme an der Taille

Brüste: Männer können Brustansätze entwickeln und bei Frauen können die Brüste größer und schlaffer werden

Hals und Schultern: es kann sich überschüssiges Fett ansammeln, das einen sogenannten Büffelnacken verursacht

Lipom: unter der Haut sammeln sich kleine Fettklumpen

Welche Stoffwechselveränderungen können eintreten?

Unter dem Begriff Stoffwechsel (Metabolismus) versteht man alle Abläufe im Körper, mit denen die unterschiedlichsten Stoffeverarbeitet, bzw. auf- und abgebaut werden. Viele Faktoren können Ihren Stoffwechsel beeinflussen.Wenn Sie an Lipodystrophie leiden, kann es sein, dass Sie auch Stoffwechselstörungen haben. Diese Stoffwechselstörungen können die Blutfette und Blutzuckerwerte beeinträchtigen und außerdem das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöhen. Es gibt hauptsächlich zwei Arten von Blutfetten (Lipide),Cholesterin und Triglyzeride.
Jeder Mensch hat sogenanntes „gutes“ und „schlechtes“ Cholesterin. Das gutes Cholesterin (HDL) kann viele der überschüssigen Fette aus dem Körper aufnehmen und so verhindern, dass sie die Arterien und Venen verstopfen. Schlechtes Cholesterin (LDL) transportiert Cholesterin zu den Zellen, eine wichtige Aufgabe. Sollten die LDL-Werte jedoch zu hoch sind, können Ihre Arterien und Venen blockiert werden.

Ein hoher LDL-Wert (schlechtes Cholesterin) und ein niedriger HDL-Wert (gutes Cholesterin) erhöht daher das Risiko, an Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken. Das HI-Virus oder aber durch antiretroviralen Medikamente treten häufig niedrigereWerte für gutes Cholesterin auf.

Wodurch wird Lipodystrohie verursacht?

Obwohl die Ursachen nicht ganz geklärt sind, gibt es verschiedene Faktoren, die als Gründe für Lipodystrohie gelten, darunter Rauchen, antiretrovirale Medikamente, Geschlecht, Alter und Vererbung. Ein hoher Body Mass Index (BMI) könnte ein Zeichen für Lipodystrophie sein.

Wie wird auf Lipodystrophie untersucht?

Es ist schwierig, Lipodystrophie direkt zu untersuchen, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit denen Ihre Blutfettwerte und Ihre Körperform untersucht werden können.
Mit dem Body Mass Index (BMI) wird Ihr Körper-Fett-Verhältnis ermittelt. Der Index wird aus Ihrer Körpergröße und Ihrem Körpergewicht berechnet und zeigt an, ob Sie normal-, über- oder untergewichtig sind. Mit einem Maßband kann der Umfang Ihrer Arme und Beine, Ihres Bauchs, Gesäßes und weiterer Körperteile gemessen werden. Wenn Sie solche Messungen regelmäßig durchführen und dokumentieren, können Sie sehen, ob sich Ihre Figur verändert hat.
Auch der Fettgehalt bestimmter Körperbereiche kann untersucht werden. Mehrfache Scans (DEXA und MRI) über einen längeren Zeitraum hinweg, zeigen Veränderungen der Fettwerte in verschiedenen Körperteilen auf. Dieses Verfahren ist eine schmerzlose Methoden.
Ihr Blut kann auf Lipide analysiert werden. Es kann sein, dass Ihre Fettwerte im Blut normal sind, obwohl Sie Symptome einer Lipodystrophie aufweisen. Andersherum ist es möglich, dass Sie nicht an Lipodystrophie leiden, aber trotzdem veränderte Blutfettwerte (sogenannte Dyslipidämie) haben.

Was sollte ich meinem Arzt sagen?

Wenn Sie glauben, Symptome von Lipodystrophie aufzuweisen, sollten Sie nicht zögern, dies mit Ihrem Arzt zu besprechen. Sie kennen Ihren Körper.Wenn Sie glauben, dass sich Ihre Körperform verändert, ist das vermutlich der Fall. Lipodystrophie ist nicht ungewöhnlich. Es gibt eine Reihe möglicher Ursachen dafür: Ihr Arzt kann diese mit Ihnen besprechen, Ihnen Hilfe und Unterstützung anbieten oder Sie an andere medizinische Fachleute überweisen.

Kann Lipodystrophie behandelt werden?

Es ist schwierig Lipodystrophie gezielt zu behandeln, weil die genaue Ursache nicht bekannt ist. Es gibt jedoch Methoden zur Behandlung der Symptome der Lipodystrophie. Studien zeigen, dass einige antiretrovirale Medikamente einen stärkere Verlust von Extremitätenfett (Lipoatrophie) mit sich bringen als andere. Ihr Arzt kann Ihre aktuelle Behandlung prüfen und gegebenenfalls eine Umstellung Ihrer Medikation vorschlagen. Sie sollten Ihre Medikamente nur nach vorheriger Rücksprache mit Ihrem behandelnden HIV-Arzt absetzen. Wenn Sie an hohen Cholesterinwerten leiden, kann es sein, dass Ihnen ein sogenanntes Statin verschrieben wird. Statine sind Arzneimittel, die Cholesterin senken können.
Auch Sport und Bewegung helfen. Sie haben vielleicht keinen direkten Einfluss auf Ihre Fettwerte, können jedoch Ihre Körperform verändern. Menschen mit Fettschwund (Lipoatrophie) können zum Muskelaufbau mit Gewichten trainieren und so Körperteile wie dünne Arme und Beine stärken. Menschen mit Lipohypertrophie (Fettansammlung) können durch Übungen versuchen, bestimmte Körperteile zu straffen.

Gute Ernährung spielt eine wichtige Rolle.Wenn Sie jedoch an Lipoatrophie (Fettschwund) oder an Lipohypertrophie (Fettansammlung) leiden, wird die Ernährung alleine nicht ausreichen, um in den betroffenen Bereichen wieder Fett anzulagern, bzw. an anderen Stellen abzubauen. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung unterstützt aber Ihre allgemeine Gesundheit und kann Ihre Cholesterinwerte verbessern. Bitten Sie Ihren Arzt, Ihnen einen Ernährungsberater zu empfehlen.

Das Rauchen zu reduzieren oder idealerweise aufzugeben, kann Ihr Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung verringern.

Es gibt sichere und wirkungsvolle kosmetische Eingriffe, bei denen ein Füllmaterial (Polymilchsäure oder PLA) in die betroffenen Bereiche injiziert wird. Einige Füllmaterialien sind dauerhaft, andere wirken über mehrere Jahre. Polymilchsäure ist ein halbdurchlässiges Füllmaterial und wirkt einige Jahre lang.

Einige Patienten mit Lipohypertrophie lassen Fettabsaugungen vornehmen, um überschüssiges Fett von den betroffenen Bereichen, wie ihrem Bauch oder ihren Brüsten, zu entfernen. Fettabsaugung wird auch eingesetzt, um den Büffelnacken zu verkleinern. Dies stellt jedoch keine langfristige Lösung dar, da sich wieder Fett ansammeln kann.

Fragen, die Sie Ihrem Arzt stellen sollten:

Haben Sie meine Fettwerte (Lipide) bestimmen lassen?

Brauche ich weitere Tests (z. B. BMI-Index, Diabetestest)?

Wie kann ich meine Fettwerte (Lipide) senken?

Kann ich die Form von bestimmten Körperteilen ändern, mit denen ich nicht zufrieden bin?

Könnte meine derzeitige Behandlung irgendwie verbessert, bzw. geändert werden?

Brauche ich eine Überweisung z. B. an einen Ernährungsberater?

 Quelle: www.hivandyourbody.com

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